Hitzewelle: Ab wann spricht man von einer Hitzewelle?

Eine Hitzewelle ist eine mehrtägige Periode mit ungewöhnlich hoher Wärmebelastung. Eine weltweit einheitliche Definition gibt es nicht, weil der Begriff immer vom üblichen Klima einer Region abhängt. Für Deutschland gilt die Festlegung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) als zentraler Bezugspunkt: Von einer Hitzewelle spricht der DWD, wenn die Tageshöchsttemperatur an mindestens drei aufeinanderfolgenden Tagen über 28 °C liegt und dabei zugleich einen regional berechneten Klimaschwellenwert überschreitet.

Damit ist die Kernfrage beantwortet – doch hinter der scheinbar einfachen Schwelle steckt mehr. Hitzewelle, Hitzewarnung, Hitzetag und Wüstentag bezeichnen jeweils Unterschiedliches und werden im Alltag oft vermischt. Dieser Artikel erklärt die einzelnen Begriffe, die zugrunde liegenden Schwellenwerte und warum dieselbe Wetterlage in Schweden als Extremereignis, in Südeuropa dagegen als normaler Sommertag gilt.

Was ist eine Hitzewelle? Definition und Einordnung

In Meteorologie und Klimatologie bezeichnet eine Hitzewelle eine ungewöhnlich lange Phase aufeinanderfolgender, ungewöhnlich heißer Tage. Synonym werden auch die Begriffe Hitzeperiode oder – etwas abgeschwächt – Wärmewelle verwendet. Entscheidend ist das Wort „ungewöhnlich": Eine Hitzewelle ist nicht einfach „warmes Wetter im Sommer", sondern ein Extremwetterereignis, das von den für eine Region typischen Temperaturen deutlich nach oben abweicht.

Der DWD beschreibt eine Hitzewelle allgemein als „mehrtägige Periode mit ungewöhnlich hoher thermischer Belastung". Hitzewellen können die menschliche Gesundheit, Ökosysteme und Infrastruktur erheblich schädigen. Anders als bei Stürmen oder Starkregen, die innerhalb von Minuten oder Stunden auftreten, entfaltet eine Hitzewelle ihre Wirkung über Tage – die kumulative Belastung über mehrere Tage und vor allem Nächte hinweg ist das eigentliche Risiko.

Infografik mit drei Kriterien einer Hitzewelle nach DWD: mindestens drei aufeinanderfolgende Tage, über 28 Grad Celsius, über dem regionalen Klimaschwellenwert
Die drei Kernkriterien, nach denen der Deutsche Wetterdienst eine Hitzewelle definiert.
Hinweis: Diese Illustration wurde mithilfe künstlicher Intelligenz (KI) erstellt.

Ab wann spricht der Deutsche Wetterdienst von einer Hitzewelle?

Der DWD nutzt eine zweistufige Bedingung, die rein temperaturbasiert ist und keine Luftfeuchtigkeit berücksichtigt. Eine Hitzewelle liegt vor, wenn an mindestens drei aufeinanderfolgenden Tagen beide der folgenden Bedingungen erfüllt sind:

  • Das Tagesmaximum der Temperatur liegt über einem regional berechneten Klimaschwellenwert.
  • Das Tagesmaximum liegt zugleich über 28 °C.

Der Klimaschwellenwert ist dabei der entscheidende Mechanismus, der die Definition an die jeweilige Region anpasst. Er wird aus den langjährigen Temperaturdaten eines Ortes abgeleitet (üblicherweise auf Basis hoher Perzentile der örtlichen Höchsttemperaturen). Dadurch kann eine Temperatur, die im Oberrheingraben noch im Normalbereich liegt, an der Nordseeküste bereits als außergewöhnlich gelten. Die feste Untergrenze von 28 °C verhindert, dass in besonders kühlen Lagen schon vergleichsweise milde Temperaturen als Hitzewelle gewertet werden.

Wichtig ist die Unterscheidung zwischen einer wissenschaftlich-klimatologischen Definition und der gefühlten Belastung. Die reine 28-Grad-Schwelle beschreibt das meteorologische Phänomen. Wie gefährlich eine Hitzewelle für den Menschen tatsächlich ist, hängt zusätzlich von Luftfeuchtigkeit, Wind, nächtlicher Abkühlung und der körperlichen Anpassung ab – und genau diese Faktoren bewertet der DWD über ein separates Warnsystem.

Hitzewarnung und Hitzewelle sind nicht dasselbe

Im öffentlichen Sprachgebrauch werden „Hitzewelle" und „Hitzewarnung" häufig gleichgesetzt, technisch sind es aber zwei getrennte Konzepte. Während die Hitzewellen-Definition rein die gemessene Lufttemperatur betrachtet, beruht die amtliche Hitzewarnung des DWD auf der gefühlten Temperatur und der gesundheitlichen Belastung. Eine Hitzewelle kann ohne Warnung auftreten – und eine Warnung kann auch bei niedrigeren Temperaturen erfolgen, wenn die Belastung hoch ist.

Die gefühlte Temperatur und das Klima-Michel-Modell

Grundlage der Hitzewarnung ist die „gefühlte Temperatur", die der DWD mit dem sogenannten Klima-Michel-Modell berechnet. Dieses Modell bewertet den Wärmehaushalt eines standardisierten Modellmenschen (des „Klima-Michel") und bezieht neben der Lufttemperatur auch Luftfeuchtigkeit, Wind und Strahlung ein. Hohe Luftfeuchtigkeit etwa erschwert das Schwitzen und lässt dieselbe Temperatur deutlich belastender erscheinen.

Die zwei Warnstufen

Der DWD unterscheidet zwei Stufen. Eine Warnung vor „starker Wärmebelastung" (Stufe 1) wird ausgegeben, wenn die gefühlte Temperatur am frühen Nachmittag einen Schwellenwert von etwa 32 °C überschreitet. Steigt die gefühlte Temperatur über 38 °C, warnt der DWD vor „extremer Wärmebelastung" (Stufe 2).

Dieser Schwellenwert ist nicht starr. Wegen eines Akklimatisationseffekts liegt er im Frühsommer niedriger und im Hochsommer höher: Der menschliche Körper hat sich an frühen Hitzetagen im Mai oder Juni noch nicht an die Wärme gewöhnt, weshalb eine Warnung dann teils schon unter 32 °C erfolgen kann. Für ältere Menschen stellen die Bedingungen bereits ab einer gefühlten Temperatur von rund 36 °C eine extreme Belastung dar – darauf weist der DWD im Warntext gesondert hin.

Warum die Nacht mitzählt

Als zweites Kriterium berücksichtigt der DWD die nächtliche Innenraumtemperatur. Kühlt die Nacht nicht ausreichend ab, verschlechtert sich die Schlafqualität, und der Körper kann sich von der Tageshitze nicht erholen. Besonders in Städten bleibt es nachts wegen des Wärmeinseleffekts wärmer als im Umland. Wenn die Innenräume in Städten mit mehr als 100.000 Einwohnern nicht unter einen bestimmten Schwellenwert absinken, weist der Warntext gezielt auf die erhöhte Belastung der Stadtbevölkerung hin.

 Vergleich der zwei DWD-Hitzewarnstufen: Stufe 1 starke Wärmebelastung ab gefühlt etwa 32 Grad, Stufe 2 extreme Wärmebelastung ab gefühlt 38 Grad
Bildunterschrift: Die zwei Warnstufen des DWD-Hitzewarnsystems auf Basis der gefühlten Temperatur.
Die zwei Warnstufen des DWD-Hitzewarnsystems auf Basis der gefühlten Temperatur.
Hinweis: Diese Illustration wurde mithilfe künstlicher Intelligenz (KI) erstellt.

Klimatologische Kenntage: Sommertag, Hitzetag, Wüstentag und Tropennacht

Um Hitzeereignisse präzise einzuordnen, arbeiten Meteorologen mit „klimatologischen Kenntagen". Das sind Tage, an denen ein definierter Temperaturschwellenwert über- oder unterschritten wird. Gemessen wird jeweils in einer Standard-Wetterhütte in zwei Metern Höhe. Diese Begriffe tauchen in Wettervorhersagen ständig auf und beschreiben die Bausteine, aus denen sich eine Hitzewelle zusammensetzt:

Kenntag Kriterium Bezug
Sommertag Tageshöchsttemperatur ≥ 25 °C Tagsüber
Heißer Tag / Hitzetag Tageshöchsttemperatur ≥ 30 °C Tagsüber
Sehr heißer Tag / Wüstentag (TX35GE) Tageshöchsttemperatur ≥ 35 °C Tagsüber
Tropennacht Nächtliches Minimum ≥ 20 °C Nachts (18–06 UTC)

Die Mengen bauen aufeinander auf: Jeder Wüstentag ist auch ein Hitzetag und ein Sommertag. Die Tropennacht ist meteorologisch besonders relevant, weil die fehlende nächtliche Abkühlung die gesundheitliche Belastung einer Hitzewelle maßgeblich bestimmt. An den meisten DWD-Stationen tritt im langjährigen Mittel weniger als eine Tropennacht pro Jahr auf; in heißen Sommern wie 2003 wurden an begünstigten Stationen jedoch über zehn registriert.

Der Begriff „Wüstentag" ist eine vergleichsweise junge Ergänzung. Weil 30 °C als klassische Hitzetag-Schwelle in Mitteleuropa durch den Klimawandel immer häufiger erreicht wird, hat sich die zusätzliche 35-Grad-Marke etabliert, um wirklich außergewöhnliche Extremtage abzugrenzen.

Warum es keine weltweit einheitliche Definition gibt

International existiert keine abgestimmte Definition einer Hitzewelle. Der Grund ist, dass „Hitze" ein relativer Begriff ist: Was in einem heißen Klima normales Wetter ist, wird in einem kühleren Klima als Extremereignis erlebt. Absolute Schwellenwerte gelten daher immer nur für eine bestimmte Region.

Die Unterschiede sind erheblich. Der schwedische Wetterdienst definiert eine „Värmebölja" (Wärmewelle) bereits ab 25 °C an mehreren Tagen – angemessen für die nördlichen Breiten. Im Vereinigten Königreich wird teils die Tages-Mitteltemperatur mit einem Grenzwert von 20 °C herangezogen statt der Höchsttemperatur. Je nach Land finden sich Schwellen von 25, 30, 33 oder 35 Grad. In der Wissenschaft werden zudem unterschiedliche Ansätze kombiniert: absolute Schwellenwerte, Temperaturanomalien gegenüber dem langjährigen Mittel oder Perzentil-basierte Definitionen, bei denen etwa das 90-Prozent-Perzentil der örtlichen Höchsttemperaturen als Grenze dient.

Für Deutschland verwenden manche Forscher außerdem eine strengere Definition als die DWD-Drei-Tage-Regel: Eine Folge von mindestens fünf Tagen mit einem mittleren Tagesmaximum von mindestens 30 °C wird dann als Hitzeepisode verstanden. Welche Definition sinnvoll ist, hängt immer von der Fragestellung ab – ob es um gesundheitliche Warnungen, klimatologische Statistiken oder die Bewertung von Extremereignissen geht.

Wie der Klimawandel Hitzewellen verändert

Dass die globale Erwärmung Häufigkeit, Dauer und Intensität von Hitzewellen erhöht, gilt heute als wissenschaftlich gesichert. Der Weltklimarat IPCC stuft es als praktisch sicher ein, dass Hitzewellen seit den 1950er-Jahren in den meisten Regionen häufiger und intensiver geworden sind, und benennt den menschengemachten Klimawandel als Hauptfaktor. Einige Hitzeextreme der 2010er-Jahre wären ohne diesen Einfluss extrem unwahrscheinlich gewesen.

Die Zahlen für Deutschland verdeutlichen die Entwicklung: Während im Zeitraum 1961 bis 1990 durchschnittlich etwa 4,2 heiße Tage pro Jahr gemessen wurden, hat sich diese Zahl im Zeitraum 1991 bis 2020 auf rund 8,9 Tage mehr als verdoppelt. Das bisherige Rekordjahr 2018 brachte besonders viele heiße Tage und eine monatelange Hitze. Der deutsche Temperaturrekord liegt bei 41,2 °C, gemessen im Juli 2019 in Duisburg und Tönisvorst.

Markante Hitzewellen der jüngeren Vergangenheit waren der Jahrhundertsommer 2003, der Hitzesommer 2018 mit anschließenden heißen Folgejahren 2019 und 2020, eine frühe Hitzewelle 2022 sowie ausgeprägte Hitzeereignisse 2025. Klimamodelle können die beobachtete Zunahme nicht allein aus natürlichen Schwankungen reproduzieren – ein deutlicher Hinweis auf den menschlichen Einfluss.

Gesundheitliche Bedeutung von Hitzewellen

Hitzewellen gelten als das größte klimawandelbedingte Gesundheitsrisiko in Deutschland. In Europa sterben im langjährigen Durchschnitt mehr als 28.000 Menschen pro Jahr in Folge von Hitze. Das Robert Koch-Institut (RKI) schätzt über statistische Modelle die hitzebedingte Übersterblichkeit ab: Für die Sommer 2018 bis 2020 errechnete es zusammen rund 19.000 hitzebedingte Sterbefälle, für den Sommer 2024 etwa 3.000. Besonders betroffen sind Menschen ab 75 Jahren.

Zu den Risikogruppen zählen ältere Menschen, chronisch Kranke, Säuglinge und Kleinkinder sowie Personen, die im Freien arbeiten. In Städten verschärft der Wärmeinseleffekt die Lage, weil versiegelte Flächen tagsüber Wärme speichern und nachts wieder abgeben. Die fehlende nächtliche Abkühlung ist dabei ein Hauptgrund für die erhöhte Sterblichkeit in urbanen Räumen. Seit 2023 veröffentlicht das RKI während der Sommermonate wöchentliche Berichte zur hitzebedingten Mortalität.

Häufige Missverständnisse rund um Hitzewellen

Drei Verwechslungen treten besonders oft auf. Erstens wird Hitzewelle mit Hitzewarnung gleichgesetzt – tatsächlich beschreibt die eine gemessene Temperaturen über mehrere Tage, die andere die gesundheitliche Belastung über die gefühlte Temperatur. Zweitens wird angenommen, es gebe eine feste, weltweit gültige Gradzahl; die Schwellenwerte sind jedoch immer regional und je nach Definition unterschiedlich. Drittens wird die Bedeutung der Nächte unterschätzt: Eine Hitzewelle wird vor allem dann gefährlich, wenn Tropennächte die Erholung verhindern, nicht allein durch hohe Tageswerte.

Fazit

Von einer Hitzewelle spricht der Deutsche Wetterdienst, wenn die Tageshöchsttemperatur an mindestens drei aufeinanderfolgenden Tagen über 28 °C liegt und zugleich einen regionalen Klimaschwellenwert überschreitet. Eine universelle Definition existiert nicht, weil Hitze immer relativ zum örtlichen Klima ist – in Schweden gilt eine andere Schwelle als in Spanien. Davon zu trennen sind die amtliche Hitzewarnung, die auf der gefühlten Temperatur beruht, sowie die klimatologischen Kenntage Sommertag, Hitzetag, Wüstentag und Tropennacht. Vor dem Hintergrund des Klimawandels nehmen Häufigkeit und Intensität von Hitzewellen messbar zu, was sie zum bedeutendsten klimabedingten Gesundheitsrisiko in Deutschland macht.

Quellen und Verweise

Die folgenden Quellen und Verweise wurden für die Recherche zu dem Thema dieses Artikels verwendet. Sie sollen dazu dienen das Thema nachvollziehbar darzustellen und dir - wenn du möchtest - eine Möglichkeit geben tiefer in das Thema einzusteigen.

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