El Niño ist eines der bedeutendsten natürlich auftretenden Klimaphänomene der Erde. Es entsteht im tropischen Pazifik und beeinflusst Wetterlagen, Temperaturen und Niederschlagsmuster in vielen Regionen weltweit. Die Bezeichnung stammt von peruanischen Fischern, die die ungewöhnliche Erwärmung des Meerwassers vor ihrer Küste nach dem Jesuskind („El Niño de Navidad") benannten, da das Phänomen typischerweise um die Weihnachtszeit seinen Höhepunkt erreicht. Obwohl die stärksten Auswirkungen in den Tropen und auf der Südhalbkugel auftreten, können die Folgen von El Niño auch in Europa und Deutschland spürbar werden. Steigende Lebensmittelpreise, gestörte Lieferketten und mögliche Verschiebungen der Großwetterlage gehören zu den indirekten Effekten, die dieses Phänomen für Mitteleuropa relevant machen.
Hinweis: Diese Illustration wurde mithilfe künstlicher Intelligenz (KI) erstellt und dient der vereinfachten visuellen Veranschaulichung komplexer klimatologischer Prozesse.
Was ist El Niño? Definition und Einordnung
El Niño bezeichnet eine periodisch wiederkehrende, ungewöhnliche Erwärmung der Meeresoberflächentemperaturen im zentralen und östlichen tropischen Pazifik. Die operationelle Definition der US-amerikanischen Wetter- und Ozeanbehörde NOAA betrachtet ein El-Niño-Ereignis als gegeben, wenn die Meeresoberflächentemperatur in der sogenannten Niño-3.4-Region über einen Zeitraum von drei aufeinanderfolgenden Monaten mindestens 0,5 °C über dem langjährigen Mittelwert liegt. Die Niño-3.4-Region erstreckt sich entlang des Äquators im zentralen tropischen Pazifik zwischen 5° nördlicher und 5° südlicher Breite sowie zwischen 170° und 120° westlicher Länge. Die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) verwendet einen ähnlichen, aber breiter angelegten Konsens mehrerer Indikatoren.
Hinweis: Diese Illustration wurde mithilfe künstlicher Intelligenz (KI) erstellt und dient der vereinfachten visuellen Veranschaulichung komplexer klimatologischer Prozesse.
El Niño ist Teil eines größeren Systems, das als ENSO (El Niño-Southern Oscillation) bezeichnet wird. Dieses System beschreibt die enge Wechselwirkung zwischen Ozean und Atmosphäre im tropischen Pazifik. Dabei schwankt das System zwischen drei Zuständen: El Niño als Warmphase, La Niña als Kaltphase und einer neutralen Phase dazwischen. Im Durchschnitt tritt El Niño alle zwei bis sieben Jahre auf, wobei jedes Ereignis in seiner Stärke, Dauer und räumlichen Ausprägung einzigartig ist.
Die WMO unterscheidet bei der Stärke eines El-Niño-Ereignisses zwischen den Kategorien schwach, moderat, stark und sehr stark. Bereits ein moderates Ereignis kann die Wahrscheinlichkeit bestimmter Wetterextreme messbar erhöhen. Sehr starke Ereignisse, wie sie 1982/83, 1997/98 und 2015/16 auftraten, hatten spürbare Auswirkungen auf das globale Klima und verursachten weltweit erhebliche wirtschaftliche Schäden.
Entstehung von El Niño: Die Walker-Zirkulation und ihre Störung
Die Entstehung von El Niño ist eng mit der sogenannten Walker-Zirkulation verbunden. Dabei handelt es sich um eine großräumige, zonal verlaufende Luftzirkulation über dem tropischen Pazifik. Zonal bedeutet, dass die Luft entlang des Äquators in Ost-West-Richtung strömt. Diese Zirkulation hält unter normalen Bedingungen ein stabiles Gleichgewicht zwischen Ozean und Atmosphäre aufrecht. Sie ist nach dem britischen Physiker und Meteorologen Sir Gilbert Walker benannt, der in den 1920er-Jahren während seiner Tätigkeit als Direktor des indischen meteorologischen Dienstes erste systematische Zusammenhänge zwischen Luftdruckschwankungen im pazifischen Raum dokumentierte.
Hinweis: Diese Illustration wurde mithilfe künstlicher Intelligenz (KI) erstellt und dient der vereinfachten visuellen Veranschaulichung komplexer klimatologischer Prozesse.
Die Normalsituation im Pazifik
Im Normalzustand herrscht über dem östlichen Pazifik, vor der Küste Südamerikas, ein Hochdruckgebiet. Die dort absinkende, trockene Luft sorgt für geringe Niederschläge in den Küstenregionen von Peru und Ecuador. Gleichzeitig bildet sich über dem westlichen Pazifik, im Bereich von Indonesien und Australien, ein ausgedehntes Tiefdruckgebiet. Die aufsteigende, feuchte Luft führt dort zu intensiver Wolkenbildung und starken Regenfällen.
Angetrieben wird dieses System durch die Passatwinde, die entlang des Äquators beständig von Osten nach Westen wehen. Diese Winde treiben warmes Oberflächenwasser nach Westen, wodurch sich im westlichen Pazifik ein mächtiger Warmwasserkörper ansammelt. Vor der Küste Südamerikas hingegen steigt kaltes, nährstoffreiches Tiefenwasser auf – der sogenannte Humboldtstrom. Dieser Auftrieb ist für die reichen Fischgründe vor Peru und Chile verantwortlich und hält die Meeresoberflächentemperatur im östlichen Pazifik niedrig.
Die Störung des Gleichgewichts
Bei einem El-Niño-Ereignis schwächen sich die Passatwinde ab oder kehren sich teilweise sogar um. Dadurch wird das warme Oberflächenwasser, das sich normalerweise im westlichen Pazifik sammelt, nach Osten zurückgedrängt. Das kalte Tiefenwasser vor Südamerika kann nicht mehr aufsteigen, die Meeresoberflächentemperatur steigt und der Humboldtstrom wird geschwächt oder kommt vorübergehend zum Erliegen.
Diese Veränderung im Ozean wirkt unmittelbar auf die Atmosphäre zurück. Über dem nun ungewöhnlich warmen östlichen Pazifik steigt feuchte Luft auf, es bilden sich Wolken und starke Niederschläge. Gleichzeitig sinkt über dem abgekühlten westlichen Pazifik trockene Luft ab, was dort zu Dürren führt. Die gesamte Walker-Zirkulation dreht sich im Grunde um. Diese gegenseitige Verstärkung zwischen Ozean und Atmosphäre wird in der Klimaforschung als Bjerknes-Rückkopplung bezeichnet, benannt nach dem norwegisch-amerikanischen Meteorologen Jacob Bjerknes, der den Mechanismus 1969 erstmals beschrieb. Sie erklärt, warum sich El-Niño-Ereignisse innerhalb weniger Monate von einer anfänglich kleinen Störung zu einem großräumigen Klimaphänomen entwickeln können.
Die Rolle der Kelvinwellen
Ein wichtiger Mechanismus bei der Entwicklung eines El Niño sind ozeanische Kelvinwellen. Dabei handelt es sich um langgestreckte Warmwasserwellen, die sich entlang des Äquators von West nach Ost ausbreiten. Wenn die Passatwinde im westlichen Pazifik nachlassen, werden Kelvinwellen ausgelöst, die innerhalb von etwa zwei bis drei Monaten den äquatorialen Pazifik in seiner gesamten Breite von rund 17.000 Kilometern überqueren. Sie drücken die sogenannte Thermokline – die Grenzschicht zwischen warmem Oberflächenwasser und kaltem Tiefenwasser – im östlichen Pazifik nach unten und unterdrücken so den Auftrieb kalten Wassers. Beim Höhepunkt des El Niño 1997/98 wurde die Thermokline im östlichen Pazifik um mehr als 90 Meter nach unten verlagert. Die Beobachtung dieser Wellen ermöglicht es Klimawissenschaftlern, die Entwicklung eines El Niño mehrere Monate im Voraus abzuschätzen.
Hinweis: Diese Illustration wurde mithilfe künstlicher Intelligenz (KI) erstellt und dient der vereinfachten visuellen Veranschaulichung komplexer klimatologischer Prozesse.
La Niña: Die kalte Schwester von El Niño
La Niña ist das Gegenstück zu El Niño und bildet die Kaltphase des ENSO-Zyklus. Während sich bei El Niño der östliche Pazifik erwärmt, kühlt er sich bei La Niña ungewöhnlich stark ab. Die normalen Verhältnisse – starke Passatwinde, kaltes Auftriebswasser vor Südamerika, warmes Wasser und starke Regenfälle im Westpazifik – treten bei La Niña in verstärkter Form auf.
La Niña folgt häufig auf ein El-Niño-Ereignis, wobei zwischen beiden Phasen eine neutrale Übergangsperiode liegen kann. Während El Niño global eher zu erhöhten Temperaturen führt, sorgt La Niña tendenziell für eine Abkühlung der globalen Durchschnittstemperatur. Für Europa kann La Niña mit kälteren Wintertemperaturen in Nordeuropa verbunden sein, wobei die Zusammenhänge – ähnlich wie bei El Niño – durch regionale Klimafaktoren stark überlagert werden.
Der vollständige ENSO-Zyklus – von El Niño über die neutrale Phase zu La Niña und zurück – erstreckt sich typischerweise über einen Zeitraum von zwei bis sieben Jahren. Diese wiederkehrende Schwingung macht ENSO zur stärksten bekannten natürlichen Klimavariabilität auf Zeitskalen von Monaten bis zu mehreren Jahren.
Die Southern Oscillation: Der atmosphärische Part
Die Southern Oscillation ist die atmosphärische Komponente des ENSO-Systems. Sie beschreibt die Schwankungen im Luftdruckunterschied zwischen dem Hochdruckgebiet über dem südöstlichen Pazifik und dem Tiefdruckgebiet über Indonesien und Nordaustralien. Gemessen wird dieses Druckgefälle anhand des Southern Oscillation Index (SOI), der die Luftdruckdifferenz zwischen den Messpunkten Tahiti und Darwin in Australien erfasst.
Bei einem El-Niño-Ereignis sinkt der SOI in den negativen Bereich, da der Luftdruck über dem östlichen Pazifik (Tahiti) fällt und über dem westlichen Pazifik (Darwin) steigt. Bei La Niña verhält es sich umgekehrt: Der SOI nimmt positive Werte an. Erst die Erkenntnis, dass die ozeanischen Veränderungen im Pazifik (El Niño) und die atmosphärischen Druckschwankungen (Southern Oscillation) zwei Seiten desselben Phänomens sind, führte zur zusammenfassenden Bezeichnung ENSO. Diese Verbindung wurde maßgeblich durch Jacob Bjerknes Ende der 1960er-Jahre wissenschaftlich gesichert.
Globale Auswirkungen von El Niño
Hinweis: Diese Illustration wurde mithilfe künstlicher Intelligenz (KI) erstellt und dient der vereinfachten visuellen Veranschaulichung komplexer klimatologischer Prozesse.
El Niño hat weitreichende Folgen für das Wetter und Klima auf der ganzen Welt. Diese sogenannten Telekonnektionen – atmosphärische Fernwirkungen zwischen weit voneinander entfernten Regionen – entstehen durch die Verschiebung von Niederschlagszonen, Veränderungen der Windmuster und die großräumige Umverteilung von Wärme und Feuchtigkeit in der Atmosphäre.
Auswirkungen in Südamerika
Die unmittelbarsten Folgen treten in Südamerika auf. Die Erwärmung des östlichen Pazifiks kann vor allem in Peru und Ecuador zu heftigen Regenfällen, Überschwemmungen und Erdrutschen führen. Gleichzeitig geht die Fischerei an der südamerikanischen Westküste während eines starken El Niño zurück, da das Ausbleiben des nährstoffreichen Auftriebswassers die Nahrungsgrundlage für Fischbestände wie die peruanische Sardelle erheblich einschränkt. In anderen Regionen Südamerikas, etwa im nördlichen Amazonasbecken, kann El Niño dagegen schwere Dürren verursachen. Während des El Niño 2023/24 trug das Phänomen nachweislich zur sogenannten Jahrhundertdürre im Amazonas bei und erhöhte das Risiko großflächiger Waldbrände erheblich.
Auswirkungen in Südostasien und Australien
In Indonesien, Australien und weiten Teilen Südostasiens führt El Niño typischerweise zu Trockenheit und erhöhter Dürregefahr. Die Folgen können gravierend sein: Ernteausfälle bei wichtigen Agrarprodukten wie Reis, Palmöl und Kaffee bedrohen die Ernährungssicherheit von Millionen Menschen. Ein historisches Beispiel ist der El Niño 2015/16: Die damaligen indonesischen Wald- und Torfbrände stießen laut Schätzungen zeitweise mehr Kohlendioxid aus als die gesamten Vereinigten Staaten und verursachten allein in Indonesien Schäden von rund 16 Milliarden US-Dollar.
Auswirkungen in Afrika
Im Horn von Afrika (Kenia, Somalia, Äthiopien) führt El Niño tendenziell zu überdurchschnittlichen Niederschlägen während der sogenannten kurzen Regenzeit im Herbst (Oktober bis Dezember). Das südliche Afrika (Sambia, Simbabwe, Mosambik, Südafrika) ist dagegen häufig von schwerer Trockenheit betroffen. Beispielhaft für die gravierenden Folgen war der El Niño 2015/16: Damals riefen mehrere Staaten im südlichen Afrika den nationalen Notstand aus. Nach Angaben der Welthungerhilfe waren in Äthiopien schätzungsweise 10 bis 20 Millionen Menschen von Hunger und akuter Wasserknappheit bedroht; weltweit wurden während dieses Ereignisses über 60 Millionen Menschen als direkt betroffen eingestuft. Auch nach dem Ende des Ereignisses hielten die Dürreauswirkungen vielerorts an: In weiten Regionen Kenias gab es laut Wikipedia-Recherche zu ostafrikanischen Dürren bis 2022 mehrere Jahre in Folge keinen nennenswerten Regen.
Einfluss auf die globale Durchschnittstemperatur
Ein El-Niño-Ereignis erhöht typischerweise die globale Durchschnittstemperatur um etwa 0,1 bis 0,2 °C, wobei sich die stärksten Auswirkungen auf die globale Temperatur häufig erst im zweiten Jahr nach Beginn des Ereignisses zeigen. Der Mechanismus dahinter: Das ungewöhnlich warme Oberflächenwasser im tropischen Pazifik gibt enorme Wärmemengen an die Atmosphäre ab. Der El Niño 2015/16 wirkte zusätzlich zur anthropogenen Erderwärmung als Verstärker und trug entscheidend dazu bei, dass 2015 ein globaler Hitzerekord aufgestellt wurde, der 2016 erneut übertroffen wurde. Der grundlegende Erwärmungstrend bleibt jedoch der menschengemachte Klimawandel; El Niño verschiebt die Temperaturkurve kurzfristig nach oben, ohne den langfristigen Trend selbst zu verursachen.
Auswirkungen auf tropische Wirbelstürme
El Niño beeinflusst auch die Hurrikan- und Taifunsaison. Im Atlantik unterdrückt das Phänomen typischerweise die Hurrikanentwicklung, da die veränderten Windverhältnisse zu einer erhöhten vertikalen Windscherung führen. Diese Windscherung beschreibt den Unterschied von Windgeschwindigkeit und -richtung zwischen verschiedenen Höhenschichten und behindert die Entwicklung von Wirbelstürmen. Im östlichen und zentralen Pazifik hingegen begünstigt das wärmere Oberflächenwasser die Bildung intensiver tropischer Wirbelstürme. Auch die Taifunaktivität im westlichen Pazifik kann sich verschieben, wobei sich die Entstehungsregionen häufig nach Osten verlagern.
El Niño und Europa: Indirekte Wirkungen über die Atmosphäre
Europa gehört nicht zu den Regionen, die von El Niño am stärksten betroffen sind. Der direkte meteorologische Einfluss auf Mitteleuropa ist nach Einschätzung des Deutschen Wetterdienstes und vieler weiterer europäischer Wetterdienste schwach und wird durch regionale Klimafaktoren stark überlagert. Studien zeigen, dass sich aus vergangenen El-Niño-Jahren für Deutschland kein eindeutig wiederkehrendes Wettermuster ableiten lässt – es war weder systematisch wärmer noch kälter, weder regelmäßig nasser noch trockener als sonst. Dennoch lassen sich bestimmte statistische Zusammenhänge erkennen, die für die saisonale Klimaeinschätzung in Europa von Bedeutung sind, insbesondere im Winterhalbjahr.
Die Nordatlantische Oszillation als Filter
Das Wetter in Europa wird vor allem im Winterhalbjahr maßgeblich durch die Nordatlantische Oszillation (NAO) gesteuert. Die NAO beschreibt die Schwankungen im Luftdruckunterschied zwischen dem Tiefdruckgebiet bei Island und dem Hochdruckgebiet bei den Azoren. Dieser Druckunterschied bestimmt die Stärke und Richtung der Westwinde über dem Nordatlantik und damit die Zugbahnen der Tiefdruckgebiete, die das europäische Wetter prägen. Ist die NAO positiv ausgeprägt, sind die Westwinde kräftig, und Mitteleuropa erlebt typischerweise milde und niederschlagsreiche Winter. Bei einer negativen NAO-Phase schwächt sich die Westwindzone ab, Kaltluft kann leichter aus Osten und Norden nach Mitteleuropa vordringen.
Modellrechnungen und Beobachtungsdaten deuten darauf hin, dass El-Niño-Ereignisse statistisch eine leichte Tendenz zu einer negativen NAO-Phase im Spätwinter aufweisen. Damit verbunden ist eine südwärts verschobene Westwindzone, was im westlichen Mittelmeerraum und in Südeuropa zu erhöhten Niederschlägen führen kann. In Nordeuropa und Skandinavien können dagegen kühlere und trockenere Bedingungen auftreten. Laut einem Bericht des Deutschen Wetterdienstes ist bei einem neutralen NAO-Zustand mit erhöhtem Winterniederschlag vor allem entlang der französischen Alpen, des Juras und in Südwestdeutschland zu rechnen. Große Teile Mitteleuropas bleiben jedoch nach derzeitigem Forschungsstand vom direkten El-Niño-Signal weitgehend unbeeinflusst.
Die NAO wirkt dabei wie ein Filter: Sie kann das ohnehin schwache El-Niño-Signal in Europa entweder leicht verstärken oder vollständig überdecken. Belastbare Vorhersagen für ein einzelnes europäisches Wintergewicht allein auf Basis eines El-Niño-Ereignisses sind daher nach Einschätzung führender Klimaforschungseinrichtungen wie der Universität Leipzig und des Science Media Center Germany nicht möglich.
Telekonnektionen: Wie El Niño Europa erreichen kann
Der Übertragungsweg von El Niño nach Europa erfolgt über atmosphärische Fernwirkungen, sogenannte Telekonnektionen. El Niño erwärmt die tropische Troposphäre großräumig. Die Troposphäre ist die unterste Schicht der Atmosphäre, in der das Wettergeschehen stattfindet (in den Tropen bis etwa 17 Kilometer Höhe). Diese Erwärmung kann den thermischen Gegensatz an der planetarischen Frontalzone verstärken – also der Grenzregion zwischen warmer subtropischer Luft und kalter polarer Luft – und so den polaren Jetstream beeinflussen. Der Jetstream ist ein Starkwindband in rund 8 bis 12 Kilometern Höhe, das die Zugbahnen von Tiefdruckgebieten in den mittleren Breiten steuert. Veränderungen im Jetstream wirken sich auf die Zugbahnen der Tiefdruckgebiete über dem Nordatlantik und damit indirekt auf das europäische Wetter aus.
Hinweis: Diese Illustration wurde mithilfe künstlicher Intelligenz (KI) erstellt und dient der vereinfachten visuellen Veranschaulichung komplexer klimatologischer Prozesse.
Ein möglicher Wirkungspfad führt über das Aleuten-Tief im Nordpazifik, ein quasi-stationäres Tiefdruckgebiet vor der Westküste Alaskas, das im Winter besonders ausgeprägt ist. El Niño verstärkt dieses Tiefdruckgebiet, was über das sogenannte Pazifik-Nordamerika-Muster (PNA) die Wellenstruktur der Westwindzone beeinflusst und sich über Nordamerika bis in den Atlantikraum fortpflanzen kann. Ein weiterer diskutierter Mechanismus ist die direkte Beeinflussung des tropischen Atlantiks durch die veränderte Erwärmung der Troposphäre während El Niño, was wiederum das Azorenhoch und die NAO beeinflussen könnte.
Es gibt Hinweise darauf, dass sich diese Telekonnektionen mit fortschreitendem Klimawandel verstärken könnten. Sollte sich dies bestätigen, könnten El-Niño-Vorhersagen in Zukunft auch für die europäische Wetterprognose an Bedeutung gewinnen.
Auswirkungen von El Niño auf Deutschland
Die direkten meteorologischen Auswirkungen von El Niño auf Deutschland sind gering und wissenschaftlich nicht eindeutig belegt. Für das deutsche Wetter sind regionale Faktoren wie die Entwicklung der Großwetterlage über dem Nordatlantik, die Bodenfeuchte, die Meereisbedeckung in der Arktis und die Meeresoberflächentemperaturen im Nordatlantik wesentlich bestimmender als die Verhältnisse im tropischen Pazifik.
Wirtschaftliche Folgen über Weltmärkte und Lieferketten
Hinweis: Diese Illustration wurde mithilfe künstlicher Intelligenz (KI) erstellt und dient der vereinfachten visuellen Veranschaulichung komplexer klimatologischer Prozesse.
Deutlich relevanter als die meteorologischen Effekte sind für Deutschland die indirekten wirtschaftlichen Auswirkungen von El Niño. Deutschland importiert zahlreiche Produkte aus Regionen, die besonders empfindlich auf El Niño reagieren. Dazu gehören Kaffee (Hauptanbaugebiete: Brasilien, Vietnam, Kolumbien), Kakao (Westafrika), Reis (Süd- und Südostasien), Palmöl (Indonesien, Malaysia), Soja (Brasilien, Argentinien), tropische Früchte und bestimmte Futtermittel. Wenn El Niño in diesen Anbaugebieten zu Dürren, Überschwemmungen oder außergewöhnlicher Hitze führt, können Ernten ausfallen und Weltmarktpreise steigen.
Die Europäische Zentralbank weist darauf hin, dass insbesondere Agrarrohstoffe wie Reis, Zucker, Kaffee, Kakao und Palmöl empfindlich auf starke El-Niño-Phasen reagieren. Höhere Rohstoffpreise auf den Weltmärkten erreichen Deutschland typischerweise mit einer Verzögerung von einigen Monaten und können sich dann in steigenden Verbraucherpreisen niederschlagen. Steigende Sojapreise wirken sich beispielsweise über die Futtermittelkosten auf die deutsche Schweine-, Geflügel- und Milchproduktion aus.
Darüber hinaus können Extremwetterereignisse in von El Niño betroffenen Regionen Häfen, Straßen, Produktionsstandorte und landwirtschaftliche Infrastruktur beschädigen. Gestörte Lieferketten für Rohstoffe erreichen Europa häufig mit Verzögerung, können dann aber erhebliche wirtschaftliche Auswirkungen entfalten. Eine Studie von Forschenden des Dartmouth College (USA) schätzte die globalen Folgekosten des starken El-Niño-Ereignisses von 1997/98 über einen Zeitraum von fünf Jahren auf rund 5.700 Milliarden US-Dollar – verursacht durch zerstörte Infrastruktur, Ernteausfälle, Produktivitätsverluste, Lieferkettenprobleme und steigende Lebensmittelpreise.
Auswirkungen auf die deutsche Landwirtschaft
Die deutsche Landwirtschaft ist von El Niño weniger direkt betroffen als Agrarregionen in den Tropen. Allerdings machen sich die globalen Marktverschiebungen auch hierzulande bemerkbar. Steigende Importpreise für Futtermittel, Dünger und Agrarrohstoffe können die Produktionskosten für deutsche Landwirte erhöhen. Bei Getreide rechnet der Deutsche Raiffeisenverband für 2026 mit einer heimischen Ernte von rund 44 Millionen Tonnen, was als überdurchschnittlich gilt. Die direkten witterungsbedingten Einflüsse auf die deutsche Ernte hängen jedoch primär von regionalen Wetterbedingungen ab, nicht von El Niño.
El Niño und der Klimawandel
El Niño ist ein natürliches Klimaphänomen, das seit Jahrhunderten dokumentiert ist. Die Frage, ob der anthropogene Klimawandel El-Niño-Ereignisse häufiger oder intensiver macht, wird in der Wissenschaft intensiv erforscht, kann aber noch nicht abschließend beantwortet werden. Die WMO betont, dass es derzeit keinen gesicherten Nachweis für eine Zunahme der Häufigkeit oder Intensität von El-Niño-Ereignissen durch den Klimawandel gibt.
Was sich jedoch ändert, sind die Auswirkungen: Ein El Niño trifft heute auf eine durch Treibhausgase bereits deutlich wärmere Erde als bei früheren Ereignissen. Ein wärmerer Ozean und eine wärmere Atmosphäre stellen mehr Energie und Feuchtigkeit bereit, die sich in heftigeren Hitzewellen und stärkerem Starkregen entladen können. Klimaforschende am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel haben in Modellsimulationen festgestellt, dass die Erderwärmung besonders heftige El-Niño-Ereignisse – sogenannte Super-El-Niños – verstärken kann. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Erwärmung des Westpazifiks bis in Tiefen von rund 200 Metern, da sich dort häufig die Stärke eines El Niño entscheidet.
Da die allgemeine Erwärmung des tropischen Pazifiks die klassischen Vergleichswerte verschiebt, wird in der Klimaforschung diskutiert, neben dem klassischen Oceanic Niño Index (ONI) ergänzende Maßzahlen wie den Relative Oceanic Niño Index (RONI) heranzuziehen. Dieser bereinigt die gemessene Temperaturanomalie in der Niño-3.4-Region um die mittlere Erwärmung der gesamten Tropen und soll so das eigentliche ENSO-Signal vom globalen Erwärmungstrend trennen. Damit lässt sich besser einschätzen, wie stark ein El Niño im Vergleich zu seinem heutigen Umfeld tatsächlich ist – und nicht nur im Vergleich zu Mittelwerten aus früheren, kühleren Jahrzehnten.
El Niño 2026: Aktuelle Situation und Prognose
Im Juni 2026 hat die WMO den Beginn eines neuen El-Niño-Ereignisses offiziell bestätigt. Die Wahrscheinlichkeit für El-Niño-Bedingungen wurde im Update vom Mai 2026 für den Zeitraum Juni bis August 2026 auf 80 Prozent beziffert, für die Folgemonate bis mindestens November auf rund 90 Prozent. Die US-Klimabehörde NOAA erklärte am 11. Juni 2026, dass die Merkmale eines El Niño vorliegen. Die Einschätzungen verschiedener Klimazentren zur möglichen Stärke eines sehr starken Ereignisses gehen jedoch auseinander und reichen je nach Modell und Zeitpunkt der Prognose von rund 13 bis 67 Prozent. Über die endgültige Intensität entscheidet typischerweise erst die Entwicklung im Spätherbst.
Die Entwicklung wird von steigenden Meeresoberflächentemperaturen im zentralen und östlichen Pazifik begleitet. Satellitenaufnahmen zeigen steigende Meeresspiegel, die auf die thermische Ausdehnung des sich erwärmenden Wassers zurückzuführen sind. Erste Windanomalien bestätigen die Abschwächung der Passatwinde. Sollte sich das Ereignis weiter verstärken, könnte es sich in eine Reihe mit den außergewöhnlich starken El-Niño-Ereignissen von 1982/83, 1997/98 und 2015/16 einordnen.
WMO-Generalsekretärin Celeste Saulo rief in einer Erklärung vom 2. Juni 2026 zur Vorbereitung auf: Aus ihrer Sicht werde das Ereignis Dürren und Starkregen verschärfen sowie das Risiko von Hitzewellen erhöhen – sowohl an Land als auch im Ozean. Nach Einschätzung der WMO und des britischen Wetterdienstes Met Office besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass 2026 und insbesondere 2027 zu den heißesten Jahren seit Beginn der weltweiten Wetteraufzeichnungen Mitte des 19. Jahrhunderts gehören werden.
Messung und Vorhersage von El Niño
Die Überwachung des ENSO-Systems erfolgt durch ein umfangreiches Netzwerk von Messbojen, Satelliten, Forschungsschiffen und Bodenstationen. Eine zentrale Rolle spielt das TAO/TRITON-Bojennetzwerk (Tropical Atmosphere Ocean / Triangle Trans-Ocean Buoy Network), das den tropischen Pazifik entlang des Äquators überspannt. Es wurde zwischen 1985 und 1994 im Rahmen des internationalen TOGA-Forschungsprogramms (Tropical Ocean Global Atmosphere) aufgebaut und wird heute gemeinsam von der NOAA und der japanischen Meeresforschungs-Agentur JAMSTEC (Japan Agency for Marine-Earth Science and Technology) betrieben. Die Bojen messen kontinuierlich Wassertemperaturen, Strömungen, Windgeschwindigkeiten und Luftdruck. Anlass für den Aufbau war der El Niño von 1982/83, der weder vorhergesagt noch frühzeitig erkannt worden war.
Die Vorhersage von El Niño stützt sich auf dynamische Klimamodelle und statistische Verfahren. Mehrere internationale Zentren erstellen regelmäßig Prognosen über die wahrscheinliche Entwicklung des ENSO-Systems – darunter die NOAA in den USA, das Europäische Zentrum für mittelfristige Wettervorhersage (ECMWF, Sitz in Reading, England und Bonn) und die japanische Wetterbehörde JMA (Japan Meteorological Agency). Die Meeresoberflächentemperaturen lassen sich dabei bereits mehrere Monate im Voraus relativ zuverlässig vorhersagen. Die atmosphärische Komponente – also wie sich die veränderten Meerestemperaturen auf Windmuster und Niederschlag auswirken – ist dagegen deutlich schwieriger zu prognostizieren.
Diese Vorhersagefähigkeit ist von erheblicher praktischer Bedeutung. Regierungen, humanitäre Organisationen und klimasensitive Wirtschaftssektoren wie Landwirtschaft, Energiewirtschaft und Wasserwirtschaft können sich auf Grundlage der ENSO-Prognosen auf mögliche Auswirkungen vorbereiten. Die saisonalen Klimavorhersagen der WMO und ihrer Partnerorganisationen bilden dafür eine wichtige Entscheidungsgrundlage.
Historische El-Niño-Ereignisse im Überblick
Die Geschichte der El-Niño-Beobachtung reicht bis ins 18. Jahrhundert zurück. Die erste dokumentierte Aufzeichnung stammt aus dem Jahr 1726. Den Namen El Niño prägten peruanische Fischer, die das Phänomen wegen seines Auftretens um Weihnachten so bezeichneten. Im 19. Jahrhundert begannen Wissenschaftler, systematische Zusammenhänge zwischen Wetterereignissen in verschiedenen Weltregionen zu erkennen. Der bereits erwähnte britische Physiker und Meteorologe Sir Gilbert Walker prägte 1924 den Begriff „Southern Oscillation" (Südliche Oszillation), nachdem er Druckunterschiede zwischen dem indopazifischen Raum und Südamerika statistisch ausgewertet hatte. Den Zusammenhang zwischen dem ozeanischen El-Niño-Phänomen und der atmosphärischen Southern Oscillation erkannte schließlich Jacob Bjerknes 1969 vollständig – seitdem werden beide Komponenten als ENSO zusammengefasst.
Zu den bedeutendsten El-Niño-Ereignissen der jüngeren Geschichte gehören die Episoden von 1982/83, 1997/98 und 2015/16. Beim Ereignis von 1982/83 lagen die Wassertemperaturen an der Oberfläche des östlichen Pazifiks zeitweise bis zu sieben Grad Celsius über den langjährigen Durchschnittstemperaturen. Das El-Niño-Ereignis von 1997/98 übertraf seinen Vorgänger in Stärke und Wirkung und wurde von zahlreichen Beobachtern als „Wetterereignis des Jahrhunderts" bezeichnet. Es war auch der Anlass, das pazifische Bojennetzwerk weiter auszubauen, da dieses Ereignis – anders als 1982/83 – mit hoher Datendichte dokumentiert werden konnte. Das Ereignis von 2015/16 gehörte ebenfalls zu den drei stärksten je beobachteten und verursachte weltweit massive Ernteausfälle, Waldbrände und humanitäre Krisen.
Auch das El-Niño-Ereignis von 2023/24 zählte zu den fünf stärksten seit Beginn der instrumentellen Aufzeichnungen Mitte des 19. Jahrhunderts. Es trug zur Rekordtemperatur im Jahr 2024 bei und hatte schwerwiegende Auswirkungen vor allem im südlichen Afrika, wo mehrere Staaten wie Simbabwe, Sambia, Malawi und Namibia 2024 den Notstand wegen Dürre ausriefen. Das sich im Jahr 2026 entwickelnde El-Niño-Ereignis wird von der Wissenschaft mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgt, da es auf eine bereits durch den Klimawandel aufgeheizte Grundlinie trifft.
Die Bedeutung von El Niño für den europäischen Energiesektor
El Niño kann den europäischen Energiesektor auf mehreren Wegen beeinflussen. Da El-Niño-Ereignisse die globale Durchschnittstemperatur typischerweise um 0,1 bis 0,2 °C erhöhen, kann sich dies in einer leicht erhöhten Nachfrage nach Kühlenergie im Sommer niederschlagen. Ein eindeutiger und reproduzierbarer Zusammenhang zwischen El-Niño-Jahren und milderen Wintern oder heißeren Sommern speziell in Europa ist allerdings wissenschaftlich nicht belegt; entsprechende Effekte hängen stark von der regionalen Großwetterlage und insbesondere der NAO ab.
Deutlicher messbar sind indirekte Effekte über die Rohstoffmärkte: Gestörte Lieferketten und steigende Rohstoffpreise können die globale Energiepreis-Dynamik beeinflussen. Dürren in Regionen mit bedeutender Wasserkraftproduktion – etwa in Brasilien, Kolumbien oder Venezuela – können dort die Stromerzeugung verringern, was sich über internationale Energiemärkte indirekt auch auf Europa auswirken kann. Für Europa ist dieser Effekt über die Rohstoff- und Energiemärkte häufig stärker spürbar als direkte witterungsbedingte Veränderungen.
Vorbereitung und Anpassung: Was Europa aus El Niño lernen kann
Obwohl El Niño für Europa kein unmittelbares Katastrophenszenario darstellt, verdeutlicht das Phänomen die globale Vernetzung von Klima, Wirtschaft und Gesellschaft. Ernteausfälle in Südamerika und Südostasien können sich indirekt – über steigende Weltmarktpreise – auf europäische Verbraucher auswirken. Gestörte Lieferketten für Rohstoffe wie Palmöl, Soja und Reis können die europäische Lebensmittelindustrie und Landwirtschaft mit zeitlicher Verzögerung treffen.
Für die Zukunft gewinnen frühzeitige ENSO-Prognosen auch für Europa an Bedeutung. Saisonale Klimavorhersagen ermöglichen es Regierungen und Wirtschaftsunternehmen, sich auf mögliche Preis- und Lieferketteneffekte vorzubereiten. Die Diversifizierung von Importquellen, der Aufbau strategischer Reserven und die Stärkung regionaler Produktionskapazitäten sind Ansätze, mit denen Europa seine Widerstandsfähigkeit gegenüber El-Niño-bedingten Störungen erhöhen kann.
Gleichzeitig unterstreicht El Niño die Notwendigkeit internationaler Zusammenarbeit beim Klimaschutz. Da der Klimawandel die Auswirkungen von El Niño nach Einschätzung der WMO und führender Klimaforschungseinrichtungen verstärken kann, profitieren langfristig auch europäische Gesellschaften davon, wenn die globale Erwärmung begrenzt wird. Die Unterstützung besonders betroffener Regionen durch Frühwarnsysteme, humanitäre Hilfe und Anpassungsmaßnahmen liegt daher auch im europäischen Eigeninteresse.
Fachbegriffe einfach erklärt
- El Niño: Periodisch wiederkehrende Erwärmung der Meeresoberflächentemperaturen im tropischen Pazifik, die alle zwei bis sieben Jahre auftritt und das globale Wetter beeinflusst.
- La Niña: Das Gegenstück zu El Niño. Eine ungewöhnliche Abkühlung des östlichen tropischen Pazifiks, die ebenfalls weltweite Wetterauswirkungen hat.
- ENSO (El Niño-Southern Oscillation): Das übergeordnete Klimasystem, das die Wechselwirkungen zwischen Ozean (El Niño/La Niña) und Atmosphäre (Südliche Oszillation) im tropischen Pazifik beschreibt.
- Walker-Zirkulation: Eine zonale (in Ost-West-Richtung verlaufende) Luftzirkulation über dem tropischen Pazifik, die bei einem El-Niño-Ereignis gestört oder umgekehrt wird.
- Passatwinde: Beständige Ostwinde in den Tropen, die warmes Oberflächenwasser über den Pazifik nach Westen treiben. Bei El Niño schwächen sie sich ab.
- Thermokline: Die Grenzschicht zwischen warmem Oberflächenwasser und kaltem Tiefenwasser im Ozean. Ihre Tiefe beeinflusst, ob kaltes Tiefenwasser aufsteigen kann.
- Troposphäre: Die unterste Schicht der Erdatmosphäre, in der das gesamte Wettergeschehen stattfindet. In den Tropen reicht sie bis etwa 17 Kilometer Höhe, in den Polarregionen bis etwa 8 Kilometer.
- Humboldtstrom: Eine kalte Meeresströmung vor der Westküste Südamerikas, die normalerweise nährstoffreiches Tiefenwasser an die Oberfläche bringt und bei El Niño geschwächt wird.
- Telekonnektion: Atmosphärische Fernwirkung zwischen weit voneinander entfernten Regionen, über die El Niño indirekt auch das Wetter in Europa beeinflussen kann.
- Nordatlantische Oszillation (NAO): Schwankungen im Luftdruckunterschied zwischen dem Islandtief und dem Azorenhoch, die das europäische Wetter vor allem im Winter maßgeblich steuern.
- Southern Oscillation Index (SOI): Ein Maß für die Luftdruckdifferenz zwischen Tahiti und Darwin (Australien), das den atmosphärischen Zustand des ENSO-Systems beschreibt.
- Kelvinwelle: Eine ozeanische Welle warmen Wassers, die sich entlang des Äquators von West nach Ost ausbreitet und eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung von El Niño spielt.
- Bjerknes-Rückkopplung: Der gegenseitige Verstärkungsmechanismus zwischen Ozean und Atmosphäre, durch den sich kleine Störungen im tropischen Pazifik zu einem ausgewachsenen El-Niño-Ereignis aufschaukeln können. Benannt nach dem norwegisch-amerikanischen Meteorologen Jacob Bjerknes.
- Niño-3.4-Region: Ein definiertes Seegebiet im zentralen tropischen Pazifik zwischen 5° nördlicher und 5° südlicher Breite sowie 170° und 120° westlicher Länge. Anhand der dortigen Wassertemperatur wird ein El-Niño-Ereignis identifiziert.
- Vertikale Windscherung: Der Unterschied zwischen Windgeschwindigkeit und Windrichtung in verschiedenen Höhenschichten der Atmosphäre. Eine hohe Windscherung behindert die Entwicklung tropischer Wirbelstürme.
- Jetstream: Ein Starkwindband in rund 8 bis 12 Kilometern Höhe, das in den mittleren Breiten die Zugbahnen von Tiefdruckgebieten steuert.
- Aleuten-Tief: Ein quasi-stationäres Tiefdruckgebiet im Nordpazifik vor der Westküste Alaskas, das im Winter besonders stark ausgeprägt ist und bei El Niño verstärkt wird.
- Planetarische Frontalzone: Die Grenzregion in der Atmosphäre, in der warme subtropische Luft auf kalte polare Luft trifft. Dort entstehen die Tiefdruckgebiete der mittleren Breiten.
- Super-El-Niño: Umgangssprachliche Bezeichnung für ein sehr starkes El-Niño-Ereignis. Die WMO verwendet diesen Begriff nicht offiziell, sondern spricht von „sehr starken" Ereignissen.
- NOAA (National Oceanic and Atmospheric Administration): US-amerikanische Behörde für Ozean- und Atmosphärenforschung mit Sitz in Silver Spring, Maryland. Sie betreibt das Climate Prediction Center, das die offizielle El-Niño-Prognose der USA erstellt.
- WMO (World Meteorological Organization): Weltorganisation für Meteorologie, eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen mit Sitz in Genf. Sie koordiniert weltweit den Austausch von Wetter- und Klimadaten und veröffentlicht regelmäßig ENSO-Updates.
- DWD (Deutscher Wetterdienst): Bundesoberbehörde im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Digitales und Verkehr mit Sitz in Offenbach am Main. Zuständig für die meteorologische Versorgung Deutschlands.
- ECMWF: Europäisches Zentrum für mittelfristige Wettervorhersage. Eine zwischenstaatliche Organisation mit Sitz in Reading (England) und Bonn, die mittel- und langfristige Wettermodelle für Europa erstellt.
- JMA: Japan Meteorological Agency, die staatliche Wetterbehörde Japans mit Sitz in Tokio.
- JAMSTEC: Japan Agency for Marine-Earth Science and Technology, eine staatliche japanische Forschungseinrichtung für Meeres- und Erdwissenschaften mit Sitz in Yokosuka. Betreibt gemeinsam mit der NOAA das TAO/TRITON-Bojennetzwerk im Pazifik.
- ONI (Oceanic Niño Index): Der von der NOAA verwendete Standardindex zur Identifizierung von El-Niño- und La-Niña-Ereignissen, basierend auf einem dreimonatigen Mittelwert der Wassertemperatur in der Niño-3.4-Region.
- RONI (Relative Oceanic Niño Index): Eine weiterentwickelte Variante des ONI, die um den globalen Erwärmungstrend bereinigt wird. Damit soll das eigentliche ENSO-Signal vom langfristigen Temperaturanstieg getrennt werden.
Quellen und Verweise
Die folgenden Quellen und Verweise wurden für die Recherche zu dem Thema dieses Artikels verwendet. Sie sollen dazu dienen das Thema nachvollziehbar darzustellen und dir - wenn du möchtest - eine Möglichkeit geben tiefer in das Thema einzusteigen.
- Weltwetterorganisation (WMO) – El Niño/La Niña Update (Mai 2026)
https://wmo.int/resources/publication-series/el-ninola-nina-updates/el-ninola-nina-update-may-2026 - Deutscher Bildungsserver / Klimawandel-Wiki – ENSO
https://wiki.bildungsserver.de/klimawandel/index.php/ENSO - Deutscher Bildungsserver / Klimawandel-Wiki – ENSO-Folgen: Europa
https://wiki.bildungsserver.de/klimawandel/index.php/ENSO-Folgen:_Europa - Deutscher Bildungsserver / Klimawandel-Wiki – Einzelne El-Niño-Ereignisse
https://wiki.bildungsserver.de/klimawandel/index.php/Einzelne_El-Ni%c3%b1o-Ereignisse - GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel – Wie verändert sich El Niño im Klimawandel?
https://www.geomar.de/entdecken/ozean-und-klima/klimawandel-im-ozean/el-nino-im-klimawandel - GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel – Führt der Klimawandel zu Super-El Niños?
https://www.geomar.de/news/article/fuehrt-der-klimawandel-zu-super-el-ninos - WetterOnline – Wetterlexikon: El Niño
https://www.wetteronline.de/wetterlexikon/el-nino - Kachelmannwetter – Was ist El Niño? Was ist La Niña?
https://wetterkanal.kachelmannwetter.com/was-ist-el-nino-was-ist-la-nina/ - Kachelmannwetter – Dieses Jahr sehr starker El Niño möglich – die Auswirkungen
https://wetterkanal.kachelmannwetter.com/dieses-jahr-sehr-starker-el-nino-moeglich-die-auswirkungen/ - MeteoSchweiz – El Niño: das einzigartige Klimaphänomen im tropischen Pazifik
https://www.meteoschweiz.admin.ch/wetter/wetter-und-klima-von-a-bis-z/el-nino-das-einzigartige-klimaphaenomen-im-tropischen-pazifik.html - Science Media Center Germany – El-Niño-Prognose und Ozeantemperaturen
https://www.sciencemediacenter.de/angebote/el-nio-prognose-und-ozeantemperaturen-26111 - Spektrum der Wissenschaft – El Niño ist da und könnte der Erde ein neues Rekord-Hitzejahr bringen
https://www.spektrum.de/news/el-nino-ist-da-und-koennte-der-erde-ein-neues-rekord-hitzejahr-bringen/2328867 - Welthungerhilfe – El Niño: Entstehung und Auswirkung des Wetterphänomens
https://www.welthungerhilfe.de/informieren/themen/klimawandel/el-nino - Greenpeace Deutschland – El Niño und die Klimakrise
https://www.greenpeace.de/klimaschutz/klimakrise/banges-warten-extremwetter - Malteser International – El Niño: das Klimaphänomen erklärt
https://www.malteser-international.org/de/themen/naturkatastrophen/el-nino.html - World Ocean Review – Wie El Niño entsteht
https://worldoceanreview.com/de/wor-5/bedrohung-durch-klimawandel-und-naturgefahren/vom-kampf-gegen-naturgefahren/wie-el-nino-entsteht/ - ENSO.info – Das ENSO-Phänomen im Überblick
https://www.enso.info/enso.html - Wikipedia – El Niño
https://de.wikipedia.org/wiki/El_Ni%C3%B1o - Wikipedia – Walker-Zirkulation
https://de.wikipedia.org/wiki/Walker-Zirkulation - Wikipedia – Nordatlantische Oszillation
https://de.wikipedia.org/wiki/Nordatlantische_Oszillation